MOMENTUM. Dichter in Szenen

Alexander Englert, Barbara Englert und Jutta Kaußen haben Autorinnen und Autoren nach Momenten befragt, die auslösend und impulsgebend für die Produktion eines Textes waren oder in einen längeren eingegangen sind. Welche Ereignisse oder Erlebnisse ausgewählt und literarisch bearbeitet wurden, hat damit zu tun, dass jene Begebenheiten etwas Wesentliches aussagen und eine Art Erkenntnis transportieren. Sie besitzen eine über das momentane Erlebnis hinausgehende Bedeutung und haben eine Beziehung zu den großen Themen der Zeit. (Natürlich liegt dem auch die bei Lesungen am meisten gestellte Frage zugrunde „Wie sind Sie darauf gekommen?“)

Gemeinsam mit den Autorinnen und Autoren hat die Gruppe sie als „authentische Fälschungen“ nachinszeniert.

Am Anfang war das Bild.

50% des Denkens fände in Bildern statt, sagen die Gehirnforscher. Am Anfang war also das Bild? Die vieldeutigen inneren, stummen Bilder aus den Archiven der Erinnerung, angefüllt mit Material aus der eigenen Biographie und Erlebniswelt, zu denen Gelesenes ebenso gehört wie das selbst Erfahrene, ist das  Material, das die Autoren nach Bedarf formen und zum Sprechen bringen. Und wie jedes Kunstwerk sind die Texte auf Austausch angelegt: Aus der Abfolge von abstrakten Zeichen auf der Seite im Buch entstehen durch die Mitarbeit des Lesers in seiner Vorstellungswelt die Bilder wiederum als eigene neu.

In diesen Prozess schaltete sich der Fotograf ein. Die Bildrekonstruktionen folgen den Ausgangstexten und hintergehen sie zugleich:  Die fotografische Visualisierung der poetischen Kunstfiguren, das bildkünstlerische Fortspinnen des poetischen Fadens und die (Rück-)Blicke der Autoren treten in ein lebhaftes, kaleidoskopisches Beziehungsspiel und lassen auf fotografischer Ebene ein zweites Kunstwerk entstehen.

So vielfältig, wie Arbeitstechniken, Themen und Positionen der Autoren sind, sind auch die Fotografien, die die Stimmungen der Texte aufnehmen: dokumentarisch-journalistisch, wenn der Fotograf den Autoren auf ihren Wegen folgte oder sie an für sie bedeutungsvolle Orte begleitete; es sind durchkomponierte Inszenierungen in sorgfältig ausgesuchten und teilweise eigens gebauten Räumen mit Statisten und authentischen Requisiten oder sie geben Einblicke in Archive, Magazine und persönliche Kunstkammern. Wie die Texte lassen die Bilder Raum für den Betrachter, beziehen ihn ein, machen ihn zum Mitspieler, lassen Nähe zu.

32 Dichterinnen und Dichter haben sich auf das Abenteuer der persönlichen Archäologie, Archiv-  und Erinnerungsarbeit mit dem Fotografen begeben, indem sie Vorschläge zu Texten machten oder auf Vorschläge kritisch, erweiternd oder zustimmend reagierten. Die Fotografien als Gemeinschaftsarbeit zwischen Autor und Fotograf ergeben in ihrer Gesamtheit wieder einen ganz eigenen, poetischen Kosmos. 

Mit den Autorinnen und Autoren:

Arnfrid Astel, María Cecilia Barbetta, Paulus Böhmer, Ann Cotten, Ulrike Draesner, Gerhard Falkner, Michaela Falkner, Marjana Gaponenko, Wilhelm Genazino, Oliver Grajewski, Durs Grünbein, Bodo Kirchhoff, Angela Krauß, Ursula Krechel, Michael Krüger, Hanne Kulessa, Dea Loher, Ulli Lust, Andreas Maier, Olga Martynova, Robert Menasse, Martin Mosebach, Emine Sevgi Özdamar, Steffen Popp, Angelika Reitzer, Monika Rinck, Verena Roßbacher, Silke Scheuermann, Clemens J. Setz, Ingo Schulze, Raoul Schrott, Josef Winkler.

Ausstellung im Literaturhaus Berlin, Fasanenstraße 23, 10719 Berlin. 21. März bis 26. April 2013. Eröffnung am 21. März, 20 Uhr. Lesung: Ulrike Draesner, Einführung: Jutta Kaußen

Ausstellung im Literaturhaus Wien,Seidengasse 13, 1070 Wien.  20. Januar bis 16. März 2012

Ausstellung im Frankfurter Goethe-Haus, Großer Hirschgraben 23-25, 60311 Frankfurt am Main. 21. August 2011 bis 8. Januar 2012

Weitere Informationen

  • Veranstaltungszeitpunkt:

    vom 21. März 2013
    bis   28. April  2013

    Eröffnung:
    Donnerstag, 21. März 20h

  • Veranstaltungsort:

    Literaturhaus Berlin
    Fasanenstraße 23
    10719 Berlin