Ich bin ein Mann – wer ist es mehr?

Da war Louise Dorothea Vischer, seine Zimmerwirtin in Stuttgart, die ihn erotisch anzog, und die er als ‚Laura’ in seinen Gedichten besang. Die unglücklich verheiratete Charlotte von Kalb, die sehr klug und belesen war, war ihm Gesprächspartnerin beim Schreiben seiner Stücke. Ihre Verbindungen in höchste Kreise nützten ihm außerordentlich. Eine konkrete Ahnung von der Problematik in ‚Kabale und Liebe’ erfuhr er während seiner unglücklichen Verliebtheit in die sehr junge Tochter Charlotte seiner Gönnerin Henriette von Wolzogen, für die Schiller keine standesgemäße Partie war.

Sein Idealbild der eigenen Ehefrau schilderte er in seinen Gedichten ‚Tugend des Weibes’, ‚Macht des Weibes’ und in der ‚Glocke’: die Frau an Heim und Herd, die tugendhafte Hausfrau und Mutter seiner Kinder, die den häuslichen Kreis nicht überschreiten sollte. Obwohl er sie später in Charlotte von Lengefeld gefunden hatte, war für ihn das Zusammensein und das Gespräch mit ihrer leidenschaftlichen, schreibenden Schwester Caroline unverzichtbar. Der Maler Graß, Zeuge dieses Dreiecks, konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, daß Schiller nun mit zwei Frauen lebte.

Schiller hat in seinem Dramenwerk herausragende Persönlichkeiten beiderlei Geschlechts gestaltet. Wie gerade seine großen Frauenfiguren beschaffen sind, und in welche Konstellationen er sie gestellt hat, zeigt die szenische Lesung.

Barbara Englert liest Gedichte und Briefe Schillers und spielt ausgewählte Szenen seiner Dramen. Hier begegnen wir unter anderen der Lady Milford, Luise Millerin, der Eboli und den Königinnen Elisabeth und Maria.

Lesezeit ca. 75 Minuten.