O! und ich verliebt, seht doch!

Wie kein anderer Dichter schildert Shakespeare die Verstrickungen der Liebe in all ihren erfahrbaren Aspekten und allen Schattierungen. Ihm ist ihre launige, seelenvolle und glückliche Seite ebenso nah wie ihre Nachtseite: die rein sexuelle und berechnende Liebe; Betrug, Krankheit und Wahnsinn. In seinen Figuren und dem ‚Ich’ der Sonette unterwirft er sich bedingungslos auch den leidvollen Folgen, nimmt sie als Prüfung an und wendet die Wunde: die Liebe erfährt eine Wiederbelebung und Erneuerung.

Wie besonders berührend in Romeo und Julia dargestellt, überdauert ihre Liebe den Tod, bewirkt die Versöhnung der zerstrittenen Familien und schafft eine bessere Zukunft, in der es für menschliche Gefühle wieder einen anerkannten und geschützten Bereich geben wird.

Einen besonderen Akzent setzt Barbara Englert auf die Darstellung der vergnüglichen Liebesverwirrungen, die in Shakespeares Komödien entstehen, wenn Mädchen sich als Jungen und Jungen sich als Mädchen verkleiden. Wer sich da in wen verliebt und warum, ob es überhaupt auf die Konstellationen der 'richtigen' Geschlechtszugehörigkeit ankommt oder auf die Liebe an sich, gleichgültig, in welches Gewand sie sich hüllt, findet das Publikum dabei selbst heraus.