Die Frau ist vollendet. Sylvia Plath und ihre Kunstfiguren

Sylvia Plath (1932 – 1963) ist die Dichterin, die ihren LeserInnen permanent Rätsel aufgibt: Ihr Werk, Leben und Lieben sind so miteinander verknüpft, dass es kaum mehr möglich ist, sie auseinanderzuhalten und getrennt voneinander zu betrachten. An den Kunstfiguren ihres „Poetischen Ichs“, die sie in ihren Texten selbst geschaffen hatte und an der Kunstfigur, zu der sie von der Rezeption gemacht wurde, konnten gesellschaftliche Prozesse und Anliegen extrahiert, projiziert und abgehandelt werden.

Fünfzig Jahre nach ihrem Tod hat sich der Blick auf sie entscheidend gewandelt. In den drei letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts wurde sie als eine an den Rollenzwängen gescheiterte Frau und von einer Männerwelt zum Schweigen gebrachte Dichterin gesehen. In erster Linie wurden der depressive Aspekt ihrer Texte und ihre Todessehnsucht wahrgenommen. Für eine neue Generation heute stehen ihr sprühender Witz und ihre Ironie, ihre bewegliche Intelligenz und ihre Lebenslust im Vordergrund.

Mit 26 Biographien und unzähligen Aufsätzen übersteigt die Sekundärliteratur bei weitem die eigene Produktion von Sylvia Plath. Sie gehört zu den am ausgiebigsten dokumentierten Dichterinnen. Mit der Erschließung der Archive wird immer mehr Material zutage gefördert – wie unter anderem Originaltöne aus Interviews, in denen sie sich zu ihrer Arbeit und ihrer Poetologie äußert.

In dem Tagesseminar stellen Barbara Englert und Jutta Kaußen anhand von Sylvia Plath‘ Texten, ihren bildkünstlerischen Arbeiten und O-Tönen die Position der Autorin dar, betrachten die gesellschaftlichen Bedingungen und Hintergründe der Zeit, in der sie lebte und schrieb, und gehen auf notwendige Irrtümer und die Veränderungen in der Rezeption der letzten Jahrzehnte ein. http://www.suhrkamp.de/buecher/liebesgedichte-sylvia_plath_35130.html

Wie jede herausragende Dichterin hat Sylvia Plath  Autorinnen und Autoren der nachfolgenden Generationen beeinflusst. Zu der neueren gehören Silke Scheuermann und Franziska Gerstenberg.

Die in Karlsruhe geborene Schriftstellerin Silke Scheuermann deckt Einflüsse von Sylvia Plath im eigenen literarischen Schaffen auf und stellt ihr die Jugend von heute gegenüber: „Reiche Mädchen“, Models und Künstlerinnen in „Shanghai Performance“, Frischverheiratete in „Die Häuser der anderen“. Die Dresdnerin Franziska Gerstenberg setzt „Spiel mit ihr“ dagegen, den Versuch einer alleinerziehenden Frau, Versatzstücke aus Tradition und Internet zu einem neuen Rollenspiel und einer realen Familie zusammenzusetzen. Im Gespräch über Biographie, Rezeption und Kunstfigur kann der Wandel gängiger Beziehungs-Modelle und Rollenzuweisungen von der Nachkriegszeit bis heute abgetastet und analysiert werden.

Thementag mit Lesungen und Gespräch im Haus am Dom, Frankfurt am Main. 23. November 2013

 www.hausamdom-frankfurt.de

Weitere Informationen

  • Veranstaltungszeitpunkt:

    23. November 2013

    Thementag mit Lesungen und Gespräch
    Anmelde-Nr. 131123LS

    10:00-12:00 Uhr Sylvia Plath: Leben und Werk
    14:00 -16:30 Uhr Lesungen und Gespräch

  • Veranstaltungsort:

    Haus am Dom, Domplatz 3, 60311 Frankfurt am Main

  • Kontakt:

    Tel.: 069 800 8718 - 0; Fax: 069 800 8718 -412

    http://www.hausamdom-frankfurt.de/

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