MAUERSCHAU von Clemens J. Setz

Mit der Deutschen Erstaufführung von Clemens J. Setz' MAUERSCHAU, starteten Barbara Englert, Jutta Kaußen und ihre Gruppe ein Experiment: Das Theater kam zum Publikum – denn das Stück wurde nicht an den üblichen Theaterspielstätten in Frankfurt aufgeführt, sondern in dem vorübergehend leerstehenden Dachcafé auf der Dachterrasse der Zeilgalerie. Auch die Proben standen dem Publikum offen.

Es war zu beobachten, wie das Stück mit den Schauspielern erarbeitet wurde, Elemente der Inszenierung wie Video, Bühnen- und Klanginstallationen hinzukamen und der Raum sich immer stärker veränderte. Passanten traten ein, blieben eine Weile und gingen wieder, oder sie warteten auf eine Pause und stellten Fragen, Gruppen von Schülern verteilten sich auf den Sitzgelegenheiten oder setzten sich auf den Boden und schauten zu. Mit dem Theater als solchem offenbar nicht vertraut, nahmen gerade sie besonders Anteil: als „Marianne“ in einer Szene die Nerven verliert und weint, standen zwei Jungen auf und wollten hin zu ihr, um sie zu trösten. Besonders beeindruckt waren die Jugendlichen auch von „Georg“, der in der letzten Szene betrunken ziemlich viel Unsinn macht. Zu ihrem großen Erstaunen war „der“ danach gar nicht betrunken. „Hat er das nur gespielt? Das hat er aber gut gemacht“, lautete ihr Kommentar. Was sie auch wissen wollten, war, wo denn die Kameras seien. Unter „Film“ konnten sie sich etwas vorstellen. Jetzt wissen sie, dass Theater so etwas ähnliches ist wie Film, nur ohne Kameras, und dass das in einem Raum stattfindet. In dem man ganz nah mit dabei sein kann.

Den Kontakt mit dem 1982 geborenen Autor knüpften Barbara Englert und Jutta Kaußen bei der Arbeit an dem Fotokunstprojekt „MOMENTUM. Dichter in Szenen“ (Fotografien von Alexander Paul Englert). Clemens J. Setz gehört zu den spannendsten und meistbeachteten jungen deutschsprachigen Autoren. Für seinen Erzählband Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes erhielt er den Preis der Leipziger Buchmesse 2011. MAUERSCHAU ist sein erstes und bislang einziges Theaterstück:

Vorstellungen:

23. und 24. September 2011, 18 Uhr, 24. und 25. November 2011, 19h im ehemaligen Dachcafé in der Zeilgalerie Frankfurt am Main

10. Dezember 2011, 20h im Orange Peel, Kaiserstraße 39, 60329 Frankfurt am Main

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