Eine Theater-Performance von Barbara Englert nach Homers „Ilias“: Die Ilias als berühmteste Erzählung des Abendlandes wird neu gelesen und mit verändertem Fokus ausgelegt.
Die Schauspielerin Léa Zehaf ist als Darstellerin der Kalliope die Erzählerin des Stücks. Ihre weiteren Rollen sind: Achill, Chryseis, Paris, Hektor und Priamos. Marlene Haagen verkörpert die Frauen Briseis, Kassandra, Helena, Hekabe, Andromache und Pentisilea. Büsra Demir, Chantal Ermias, Lisa-Loraine Laser, Demetra Pizzuto und Luna Vega präsentieren als Sprech-Chor die kollektive Stimme der Bevölkerung.
In einer 3-D-Videoanimation lässt Pola Sell das Bühnengeschehen auf surreale Weise erlebbar werden. Mit ihrer für die Theaterperformance komponierten elektronischen Musik erschafft Louisa Beck einen Soundraum mit ganz eigener Klangwelt.
Premiere: 9.10.2025 in der jugend-kultur-kirche Sankt Peter, Frankfurt am Main.
Das Homer zugeschriebene Epos „Ilias“ gilt als Archetyp von Geschichten über menschliche Feindseligkeiten und als kulturelle Vorstufe demokratischer Strukturen. Zugleich aber zelebriert es die männliche Hybris – alle Geschichten der „Ilias“ werden ausschließlich aus männlicher Perspektive geschildert.
Barbara Englert hat den Fokus verändert: Sie interpretiert die Erzählung aus weiblicher Sicht und stellt Bezüge zur Gegenwart her. Die 24 Gesänge – auch 24 Bücher genannt – werden von Kalliope, der Muse der epischen Dichtung stark gekürzt und in humorvoller Weise nacherzählt. Von Briseis über Kassandra und Pentisilea bis Priamos werden die elf wichtigsten Protagonisten von zwei Schauspielerinnen dargestellt. Ein Chor übernimmt die Stimme der Polis, der unabhängigen Gemeinschaft der Bürgerinnen und Bürger. Auf Leinwänden werden durch Photogrammetrie Räume geschaffen, die die Gegenwart mit der griechischen Antike visuell verbinden. Hätten Frauen die Ilias erzählt – nicht als Heldenepos, sondern als Geschichten über Verlust, Sehnsucht, Fürsorge und Verbundenheit – hätten wir vermutlich andere Maßstäbe für das Gemeinwesen entwickelt. Das zentrale Anliegen des Theaterstücks ist nicht ein Entweder-Oder, sondern das Ergänzen des einseitigen Blicks durch ein vielstimmiges Erzählen.
Eine Theater-Performance mit 2 Schauspielerinnen und einem Sprech-Chor aus jungen Statist*innen. Auf Leinwänden werden durch Photogrammetrie Räume geschaffen, die die Gegenwart mit der griechischen Antike visuell verbinden. Außerdem erscheint eine filmische Theaterprojektion im Netz. Geplant sind Gastspiele im gesammten deutschsprachigen Raum.
Projektleiterin: Barbara Englert, Videoinstallation: Pola Sell
Buch & Regie: Barbara Englert
Video: Pola Sell
Musik: Louisa Beck
Mit Léa Zehaf (Kalliope, Achill, Chryseis, Paris, Hektor, Priamos)
Marlene Haagen (Briseis, Kassandra, Helena, Hekabe, Andromache, Pentisilea)
Sprech-Chor (als kollektive Stimme) mit Büsra Demir, Chantal Ermias, Lisa-Loraine Laser, Demetra Pizzuto, Luna Vega
Kalliope, die Muse der epischen Dichtung und der Geschichte, ist die Erzählerin der Theater-Performance, sie zeigt das Unsichtbare unter der Oberfäche, stürzt die scheinbare Ordnung ins Chaos und eröffnet dadurch Wege zu neuer gerechterer Ordnung. Dann gibt es da noch Hekabe, Andromache, Penelope, Kassandra, Briseis und Chyrseis und natürlich auch Penthesilea.
Schon Platon sagte, wenn er damit auch fast alleine dastand:
… was mein Gesetz über das männliche, das ist es geneigt auch über das weibliche Geschlecht zu verordnen, so dass auch dieses ganz die gleichen Übungen durchzumachen hätte. Und ich werde mich dabei nicht vor dem Einwande fürchten dass Reiten und Turnen doch nur für Männer und nicht für Weiber sich schickten. Vielmehr bin ich nach alten Sagen eines anderen überredet und weiß ja auch geradezu, dass es auch jetzt noch Weiber am Pontos von zahlloser Masse gibt, Sauromatinnen geheißen, welche ganz in gleicher Weise wie die Männer dazu angehalten und darin geübt sind gemeinsam mit diesen nicht bloß die Rosse zu besteigen, sondern auch den Bogen und alle anderen Waffen zu handhaben. Ich halte mich aber nicht bloß an diese Beispiele sondern auch an folgende Überlegung. Wenn doch die Sache wirklich ausführbar ist, so kann nichts törichter sein als dass, wie es doch überall bei uns zugeht, nicht alle Männer und alle Weiber einmütig und mit aller Macht denselben Beschäftigungen sich zuwenden.Denn auf diese Weise bleibt in Folge der Vernachlässigung gleicher Leistungen und Anstrengungen beinahe die Hälfte der im Staate vorhandenen Gesamtkraft ungenützt, und es könnte das Doppelte von dem erreicht werden was jetzt erreicht wird, und das ist doch ein merkwürdiger Fehler in der Gesetzgebung. (Nomoi)
Alle Szenenfotos von Alexander Paul Englert
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Eine Theaterinstallation mit Texten von Anita Augspurg, Elsa Brändström, Marie Curie, Ricarda Huch, Clara Immerwahr, Editha Klipstein, Annette Kolb, Käthe Kollwitz, Helene Lange, Else Lasker-Schüler, Rosa Luxemburg, Alice Schalek, Virginia Woolf und Clara Zetkin.
Wiederaufnahme unserer Produktio...